Frühlingsgefühle

Grüne Blätter im Wind 

durchwehen die Zeit, 

so lange gewartet 

geboren, bereit.

Einzelne Strahlen der Sterne 

durchbrechen den Tag, 

vom Bach wächst nach oben 

die erblühende Saat.

Der Frühling,

mir sanft die Geister des Winters nun raubt.

Die nahende Sonne,

die schlafenden Gefühle sorgsam entstaubt.

Ein Vogel im Wind 

gleitet still durch den Raum, 

der Himmel ist leuchtend 

unendlicher Traum.

Solange deine Hand, die meine 

voll Wärme will halten, 

möchte ich mich für Dich 

zum vollen Glanz meiner Seele entfalten.

Du bist der Mensch 

für den mein Herz sich entschieden,

dich unaufhaltsam und ewig 

zu lieben. 

Vergessene Wünsche im Wind

zerfallen zum Nichts,

alles ist Anfang

umgeben von Licht.

Nichts auf dieser Welt vermag mich 

noch schmerzend verzehren, 

solange dein Leib will mich 

immer und endlos begehren. 

Advertisements

Die Mitte aller Mitten

Weit der Blumen Düfte

trugen in sich feurig Träume.

So still der Wolken Schatten

zogen Richtung Meer.

Mal hell, mal dunkel,

unter frohen Farbenspiel

die Bäume wogen wild,

zu jener Zeit,

ihr grünes Kleid.

Nach nächtigen Bad in reinster Liebe,

kein Licht am Tage 

möge wärmen mehr mein Herz.

Kein schwerer Sinn,

kein müßig Blick,

in all der leichten Schritte

die ihren Weg trotz tiefster Schluchten,

nie und nimmer scheuen,

findet Sonne ihren Fluss in Meridianen.

Auch will die Hand die Hände 

in reinster Güte,

vor allem Leid und Kummer,

in ihrem Dasein

heimlich still bewahren.

So möge doch des Himmel‘s 

immerwährend, blühend

und barmherzig Garten, 

noch ein kleines Müh lang, länger warten.

Erst wenn,

tiefer Sog durchdringt den Atem

in seinem Hauch zum stillen Sang,

möcht‘ ich voller Freude auferstehen, 

tief tauchen ein, in den Einen unser aller, 

die Existenz bejahend und ewiglich elysisch Klang.

Den meine Seele lachend,

frei von jeglich‘ Bitten, schon im Leben

in der Mitte aller Mitten fand.

In mich blick ich

Durch Vertrauen

Stufen bauen.

Den Geist nach oben führen.

Das Öffnen von alt vernagelten Türen.

Sinn gebend,

die Seele berühren.

Pur lebend.

Ich verstehend.

Entscheidungen treffen

die aus Nichtigkeit retten.

Zitternde Hände,

werdende Wände.

Ausgestreckte Fäuste,

die nach vorne zeigen,

zwingen sich auf

dem kommenden Leiden.

Traurigkeit provozieren,

denn Tränen motivieren.

Goldener Schnitt,

surrealer Ritt.

Blaues Licht, 

den Raum bricht.

Gesichter erkennen,

ihre Namen benennen.

Vergangenheit verschoben,

einzelne Momente erhoben.

Endlich begriffen den Zweck,

kein blinder Fleck.

Ohne die Schwere,

sich kein Eindruck gebäre.

Erinnerung löscht

autobiographische Fragmente.

Wenn ihr Schnabel 

nicht bohrend 

tief,

ihnen Andenken schenkte.

Dem Wind

so kein Hindernis bestimmt.

Die Augen geschlossen,

frei annehmen,

sich nun sanft tragen lassen, sein Innerstes, 

ein Stück weit erfassen.

Im Blindflug durchs innere Dickicht, 

in mich blick ich.

Früher & Heute

Früher, 

sprang ich mutig

voller Selbstvertrauen in tiefste Schluchten, 

verlachte höhnisch all die, 

die mich

in meiner Existenz verfluchten.  

Heute, 

bleibe ich oft, zögernd und misstrauisch 

vor jeder Hürde stehen, 

aus der Furcht, vor all den Augen, 

die mich

stolpern und fallen könnten sehen.

Früher, 

lag mir die ganze Welt ungestüm, 

so voller Versprechen zu Füssen, 

kein Zweifel und keine Schuld 

ließen mich

für meine Fehler büßen.

Heute, 

verlieren sich in mir die unerfüllten Wünsche 

und so werden immer kleiner die Weiten, 

stets trage ich mit mir

den so schweren Ballast,

meiner vergangenen Zeiten.

Früher,

vermochte ich aus meinem Herzen

so rein und so hell zu leuchten, 

das mein Licht bis zum Mond hinauf,

all die Schatten

konnte zurück ins Dunkel, warm verscheuchen.

Heute, 

in immer länger werdenden Abständen 

schaffe ich es gerade mal,

kleine Räume mit Licht zu erfüllen, 

um mich danach in den Tiefen meines Herzens,

nur leer und ausgebrannt zu fühlen.

Früher,

war ich ein Riese, der konnte die ganze Welt

auf einem Finger wie einen Kreisel drehen,

mein Herz und mein Verstand ließen mich 

voller Leichtigkeit,

so schwerelos, durch mein Leben gehen.

  

Heute, 

erkenne ich, ich werd immer kleiner

sowie ein Stein im Fluss, 

doch mein Abrieb

von den Strömen getragen, 

findet das Meer zum guten Schluss.

Die falschen Propheten

Die falschen Propheten neigen dazu,

alles zu verkehren, 

um mit den Worten von Anderen,

ihr eigenes Ziel zu nähren.

Seien es Schriften 

geschrieben um Frieden zu stiften,

sie entfremden der Worte Unterpfand,

die Intention in ihrem Atem, 

sich nur zum blutigen Schwert entflammt.

Sie nennen sich Geistige Führer, 

des Lebens auf Erden,

doch sie verachten, das Streben 

zu höheren Sphären.

Sie zerstören das Heim, 

in dem sie verpflanzen den Keim,

der in Blut aus gesät,

in vielen Herzen so Wurzeln schlägt.

Ein Gewehr 

überreicht an einen Waisen Jungen,

nach ihrem Vorbild, 

er es hält ganz fest, umschlungen.

Der Holzschaft schon fünf Striche trägt, 

der Sechste, bald für ihn drauf steht.

Sie schnüren Bomben, 

fest an fehlgeleitete fromme Lenden,

damit sie ihr Chaos, auf Erden spenden.

In meinem Stand werd ich nicht weichen,

vor euch Falschen, ihr Endzeitgleichen.

Eure Wut

nur genährt von fehlendem Mut,

ihr werdet niemals finden den Frieden,

der in der barmherzigen

Nächstenliebe ruht.

Ja,

alle alten und neuen Lehren, 

verbindet ein Band, 

dieses zu erfassen zeugt für mich, 

vom wahren Verstand.

Ich atme ein,

ich atme aus,

neues rein und 

altes raus.

Ode an die schlaflose Nacht

Wie in vielen Nächten schon zuvor,

lieg ich wach vorm Sternentor.

Such die Kraft um durch zu gehen

und find doch nur, mein leises Flehen.

Schweigend zieht der Mond vorüber,

legt sein Licht auf müdes Haupt.

Wird denn nie ein Mensch verstehen,

worauf er seine Hoffnung baut?

Bin nicht müde, möchte nur schlafen,

um der Stille zu entfliehen,

kann und will nicht länger warten,

möcht‘ im Traume mit den Engeln ziehen!

War es Wille, war es Furcht?

Die mein Herz zum Schweigen brachten.

Wo sind sie nur die warmen Nächte?

Wo Kopf und Herz im Reigen lachten.

Bin der eisig Stille, demütig Untertan,

bin zum Neigepunkt der Nacht gefahren.

Gebe meine sinnlos Suche auf,

find heut Nacht nicht mehr den Weg, da rauf!

Die lebendige Stimme lehrt

Selbst die prunkvollsten

von Menschen erbauten 

Hallen,

wie Bilder,

zu Staub und zu Nichts,

zerfallen.

Doch das Wort,

wird es von Einem zum Anderen 

transportiert,

so lang,

wie der Mensch selbst noch 

existiert.

In ihm ist verankert  

der Erhalt der Werte.

Das Wort ist uns, 

der weiseste Gefährte.

Es zwingt uns nicht 

ein Bestehen auf,

sondern es hilft uns in kleinen Schritten, 

zu einem Höheren 

herauf.

Das eigene Annehmen

ist das Räderwerk,

das den Mensch, 

zum Mensch sein,

wieder warm bestärkt.

Wir sollten uns nicht 

fürchten,

vor unseren Schwächen.

Denn Furcht schärft nur 

des Pessimismus 

Rechen.

Der tiefe Narben 

pflügt

und unser Selbstvertrauen, 

damit, 

schwer belügt.

Last uns nicht verschanzen 

hinter Schwüren oder sarkastischen Allüren,

weil die Hilflosigkeit,

nur Kälte lässt uns spüren.

Es gibt für jeden eine Antwort 

die nur darauf wartet,

das, das Begreifen, 

zu neuen Horizonten 

startet.

Die lebendige Stimme uns alles lehrt!

Durch sie man Glaubhaft,

von all den uns fremden Erkenntnissen, erfährt.

Keiner von uns, 

ist hier vergebens,

wir alle haben das Recht eines,

eigen bestimmten, glücklichen Lebens.

Denn das Wort,

trägt in sich Freiheit

und das Wort,

ist auch ihr Ursprungs Ort.

Drum trag Du es fort, 

trag es fort, zu Uns,

Dein Wort.

Für‘s kranke Kinde

Der Vater wirft den dicksten Holzscheit

in des Kamins Glut,

das Feuer zischend wie ein Ungeheuer

verzehrt des Baumes Brut. 

Armes Licht so flackernd schlicht

will halten fest zur seligen Ruh. 

So ist‘s geborgen bis zum Morgen 

erhoffen zwei Seelen, 

das nicht der schwarze Wanderer, 

dem die lebendig Augen fehlen, 

ihrer Lenden Frucht wird nächtens stehlen.

Von Mutters bebend Brust genährt 

das kranke Kinde.

Der Hütte Balken knarren laut 

im stärksten Winde.

Der Schnitter mit Fieber seine Sense zieht,

dem armen Tropfe langsam 

in aller Stille so sein Leben flieht.

Der Vater muss, 

er muss sein Bündel packen,

die Mutter ihrem geliebtem Mündel Wickel machen.

Ihre größte Bitte an die Ewigkeit,

dass ihr Kinde nicht 

vom letztem Schlafe wird gefreit. 

Doch dort draußen stürmt die kalte Nacht, 

der Winter eisig übers Bergland wacht. 

Der Schnee, er türmt sich mauerhoch,

einen Weg muss bahnen der Vater in seiner Not.

Das Tal seit vielen Tagen 

ist schon ohne Pfad 

und somit abgeschnitten 

von des Arztes Hand und seinem Rat. 

Der Schnee zu tief, zu lang das Areal vom Tal. 

Drum mögen Gottes Engel ihn geleiten, 

denn über den Pan Berg er muss schreiten.

Seine Spanne wäre nur von kurzer Dauer, 

doch dort auf schmalen Steg 

der Fehltritt liegt auf seiner Lauer. 

Der Mutter Augen voller Sorgen, voller Kummer, 

ihre Seele betend vor des Kindes fiebrig Schlummer.

Ganz fromm, ganz hold, lässt sie sich ihren Glauben 

von lähmender Angst nicht rauben.

Vorm Aufbruch 

der Atem tief, sein Leib ist stark. 

Das Bündel verschnürt 

fest in der Hand seinen Stab.

Ein kurzes Nicken, eine Träne

die Wiederkehr ersehnend.

Die Türe auf und ohne ein Zögern 

fällt zurück sie ins Schloss. 

Geschwind voran geht er 

hinaus in den eisigen Frost.

Ein Schal aus Wolle in tiefster Liebe warm gestrickt, 

fest gebunden vors Gesicht, 

denn erfüllen muss er seine Pflicht.

Der Schnee so schwer wie nasses Laub, 

der Sturm so laut, die Ohren taub.

Seinen Stab in der Hand, 

er sich Schritt für Schritte den Wege bahnt 

zu des Nordwestgrates Mitte.

Ein Innehalten, ein kurzer Blick zurück, 

die Spur verweht die Nacht zu dicht, so trüb wie ein See aus Teer, 

er sehen kann des Hauses warmes Licht nicht mehr.

Weiter, nicht stehen bleiben, immer weiter,

so endlos, so weit, so kurz die Zeit, so großes Leid.

Mit jedem Tritt er näher kommend zu dem Pfade, 

der auf den Berg sich zieht 

wie eine lang gezackte Narbe.

Nach Stunden über Stunden er den Gebirgsrücken endlich erreicht. 

Der Gipfel so hoch, so hoch, 

scheinbar bis über den Himmel hinaus sich ihm zeigt.

Doch welch selig Glück, die Steine 

und Felsen, sie sind nicht vereist.

Der Sturm, er peitscht ihm bitterkalte Nadeln ins Gesicht. 

Die Dunkelheit verschluckt der letzten Sterne Licht.

Seine Zehen beim Erklimmen, 

er wie kalt zerbrechendes Glas nur spürt, 

sein Aufgang ihn immer weiter und weiter bis zur Zinne führt.

Der Schmerz, er krümmt ihm seine zitternd Hand,

zur Umkehr zwingen will ihn der Verstand.

In seinem kühnen den Berg hinauf schreiten, 

Gedanken an den Tod ihn schwer begleiten.

Dennoch sein Herz wird bis zum Letzten gehen, 

nie und nimmer wird er bleiben stehen.

Mit jedem weiteren Stieg, 

sein kochend Blut fühlt sich wie Höllenglut,

mit jedem weiteren durch die brüchige Schneedecke stampfen,

seine Muskeln übersäuern und verkrampfen.

Wohl auf, vollbracht in dieser schicksalshaften Nacht, 

des Berges Spitze ist erreicht.

Sein Bündel fühlt sich etwas leichter, auch war es nicht leicht. 

Nun ward endlich sein Gang gen Himmel beendet,

als hinter dem Berge die langsam aufgehende Sonne 

in aller Stille ihn blendet.

Ein befreiender Odem erfüllt seine Brust,

weil er dem Martyrium 

seiner dunkelsten Schatten entkam

und sich nach manchem Zweifel 

wieder auf seinen Glauben 

besinnt voller Scham.

Oh hab Dank, oh Herr, 

fürs Wachen über meinen Stab 

mit seinem Halt, er gab mir Kraft 

zu wandern durch die finstere Nacht.“

Der alte Witwensteig nach unten 

von einem Augenblick zum anderen  

tut sich, wie ein Zeichen, vor ihm im Morgenlichte auf.

Nun kein Übermut hier in seinem Lauf 

und keine falsche Eile 

spannt sorgsam er die Sicherungsseile. 

So hoch, so tief, im Kopf jetzt keinen Schwindel, 

sonst wäre kurz der unglückselige Sturz. 

Am Fuße der Klippen, der Totengräber Schippen

würden nicht hören sein letztes Rufen, sein letztes Bitten. 

Drum lief ihm, der Schweiß, im glänzendem Eis.

Die Angst vorm Hall seines freien Fall

ließ das Seil ihn fester, immer fester schnüren 

seine Hände kaum mehr spüren.

Ungeachtet blieb sein Blick konzentriert,

der Abstieg nun gut ist, so wie sein Mut ist.

Er nach unten fortwährend steigt mit festen Fuße, 

um zu retten was von seinem Blute.

Vor ihm liegt der Felswand letzter Meter,

nun ist es nicht mehr weit zu seines Kindes Wohltätern.

Der Sonne Lauf steht jetzt am Höchsten,

da hört im Hain vorm Dorfe 

als erstes er die Orgelflöten.

Der Engel Trompeten erhörten mein Beten.“

Die Sonntagsmesse in vollem Gange 

als eintritt er im Lobessange.

Der Seelenhirte still, 

die Gemeinde verstummte,  

als vor ihnen steht 

der Eis-Vermummte.

Seine Worte 

durch den sakralen Orte hallen, 

als würden Sterne auf die Erde fallen.

Keine Zeit für Fragen! 

Hört, hört, 

was über den Berg mich trieb 

euch hier zu sagen.

Die Frau vorm Kinderbette betend weint, 

auf den Arzte wartend, 

der uns neu vereint.“

Der Vater, der Ehemann, 

vorm Altar einen Atemzug lang, ganz tief 

mit seinen Augen absucht des Kreuzes Motiv. 

Oh welch Barmherzigkeit in Christi’s Malen ruht.“

Als er hört, was die  Gemeinde ruft:

Wir helfen dir so gut, wie Gott uns schuf.“

Die eine Hälfte selig ins Für-Gebet versunken 

auf der Suche nach dem Hoffnungsfunken.

Während die anderen derweil hart wuppen, 

das Schneegespann aus des Pfarrhauses Schuppen.

Der schnellste aller Pferdeschlitten, 

der nur bei Geburten wird beritten, 

damit die werdend Mütter nicht lang litten.

Gespannt davor jetzt noch zwei wilde Heißblüter, 

schwarze Hengste, kraftvoll 

werdend zu des Kindes Hütern.

Heißer Atem dampft aus ihren Nüstern,

als sich ihre Mähnen wüst aufplustern

und ihre Hufe schaben ungestüm im Schnee.

Sie warten sehnsuchtsvoll auf den Ruf: Auf geht‘s!“ 

Des Müllers junger Knecht 

sich auf den Bocke schwingt, 

in seiner Hand erzitternd jetzt die Peitsche singt. 

Als sich endlich die Pferde dürfen aufbäumen, 

ihre Mäuler schäumen.

Im Schnee, das Zischen der blanken Kufen,

im Herzen des Vaters, seiner Liebsten Rufen.

Zeit und Raum möchte seine Seele 

jeden Augenblick lang krümmen,

um sofort nah zu sein, diesen so über alles geliebten Stimmen.

Vater, Arzt und Knecht unter den Fellen von Lämmern,

könnten erreichen das Haus noch vorm Dämmern.

Des Arztes Tasche klappert voll Phiolen und Ampullen

mit Salben und Tinkturen. 

Die Peitsche knallte, als sie um den Bergkamm 

durch die klammen Schluchten fuhren.

Und als hätten tausende Engel 

den Weg von jeglichen Hindernissen frei gekehrt,

der Pferdeschlitten über die schneebedeckten Hänge 

weiter an seinen Zielort fährt.

Der gute Knecht so auf dem Bocke wütet

als wenn in ihm die Seel´ verglühte.

Gepackt, geschafft, bewältigt, 

das Haus erspähen ungeduldig Augen in der Ferne. 

Die Natur und die Gewalten

versuchten sie nicht aufzuhalten.

Die Sonne rot vorm Untergehen, 

wird er sein Kinde lebend wieder sehen?

Aus dem Schlote ziehen wie kleinste Wölkchen weiße Schwaden,

dem Manne ganz bang wird es in seinem Magen.

Vom Schlitten den die Drei beritten,

bevor das Gespann 

kommt überhaupt zum Stehen

und als folge er nur 

seiner Sehnsucht marternd Flehen,

springt er mit einem Schwung, 

so wie im Flug,

gleich einem Engel, 

der auf seinen Schwingen 

ihn zu Boden trug.

Mit hastigen Atem tief in seiner Lunge, 

sein Herz, es pocht so stark, so schnell.

Die Tür geöffnet, das Licht wird grell.

Seine Frau am warmen Herde 

hat nicht ankommen gehört die feurig Pferde.

Kaum bewegt vor Erstaunen sie ihre Lippen, 

suchen verzweifelt seine Blicke sein Kinde. 

Dort ist es 

und liegt viel zu friedsam in der Krippe.

So still! Ist‘s Schlaf? Ist‘s Tod? Welch bange Not!

Als er die kleine Brust beim Atmen 

sich langsam wieder heben sieht,

das Schwarz aus seiner Seele zieht.

Die Hände vorm Gesicht bricht dankbar er zu Boden:

Oh lasst uns all den Herrn jetzt loben.“

Seine Frau verspürt vollkommenstes Glück, 

denn ihr Liebster ist wohlauf und heil gekehrt zu ihr zurück.

Voller Freudentränen in der Wiederkehr sie sich umarmen, 

beide überglücklich, dass geleitet wurden sie durch die Gefahren 

von des Himmels Engelscharen.

Zu Gott er seine Stimme voller Demut richtet: 

Hab Dank oh Herr,

das unser Heim nicht in der Dunkelheit versunken

und unsere Dreisamkeit vernichtet.“

Der Arzt inzwischen untersucht am Kindchen 

schon Dies und Das. 

Voll Erleichterung er atmet auf, 

es ist nun letzten Endes wohl geschafft.

Der Wickel, den die Mutter machte, 

das Fieber aus dem Kreislauf brachte.

Der Knecht des Müllers tritt währenddessen ein, 

ist froh zu sehen keine Tragödie, keine Pein

und denkt schon 

an der Freudenfeier kräftig Wein.

Der Arzt den Mann noch untersucht,

als er verwundert aber freudig:

 Verflixt und zugenäht!“ laut flucht.

Kein Haar, kein Finger, kein Zeh 

ward ihm erfroren. 

Des Arztes Lächeln ging 

bis zu seinen üppig rot geformten Ohren.

Er gibt noch ein paar Fläschchen 

mit Kräutern mild zur Ruh, 

das Kindlein in seinem Bettchen, 

hat sanft die Äuglein zu.

In des Arztes Augen mag mancher noch 

ein Lichtlein sehen,

als er beim Gehen blieb kurz sagend stehen:

Diese wahre Liebe von euch beiden,

ach ja mmh, ich wünscht hier wäre ich Bub.“ 

Dann verließen ganz leis‘,

der Knecht, der Arzt mit einem letztem Seufzer 

die glücklich warme Stub‘.

So erzählt oft noch eine Mutter, ein Vater,

am Bett eines kranken Kindes,

die Geschichte von Vaters Stab und Mutters Wickel. 

Denn Geborgenheit vermag,

nicht nur all den kranken Kindern, 

selbst das höchste Fieber zu mindern

und die schlimmsten Schmerzen, auch zu lindern.

Eisbrecher

Sonne über dem gebrochenen Eis.

Der Blick verwaist, 

zu all den Rissen reist. 

Meine kleinen geblendeten Pupillen,

versuchen im Aufbruch 

meine Ungeduld,

vor dem Kommenden zu stillen. 

Eine Schneeblume 

ist im kleinsten Spalt erwacht, 

streckt der Wärme entgegen 

ihr weißes, 

so lebensfrohes Blütendach. 

Auch gleicht mein begieriges Lächeln, 

einen erwartungsfreudigem Totesröcheln. 

So vergesse ich für den Moment

den Frühlingsboten, 

weil meine Gedanken immer stiller, 

die Steppe versuchen gespannt auszuloten.

Mein inneres Auge

sieht schon die Armeen von Glocken, 

die jeden ach so trüben, verträumten Blicke, 

wohl nur, 

zu Frohsinn könnten locken.

Da fällt mir auf, das ich, den ersten Eisbrecher

in seiner wahren Bedeutung, nicht konnte verbuchen.

Da mein unstillbarer Hunger nach immer mehr, 

mich nur ließ

weiter und weiter, 

nach seinen Schwestern und Brüdern

ungestüm suchen.

So sollte ich doch eigentlich, 

für mich allein, 

verstehen und wissen 

so als selbsternannter Poet.

Das ich nur den Ersten

hatte wahrhaftig erfasst und auch nur ihn, 

hatte doch, in seiner Bedeutung des Beginn‘s, 

buchstäblich erfleht.

Sterbenskünstler

Bei jedem Schlag der Uhr, 

betracht‘ ich meine Spur.

Durch jeden Schritt, 

den ich durch meinen Gang, 

auf Erden hinterließ,

ein fröhlich oder traurig Lied, 

aus meiner Seele, ist entsprießt.

Ich versuche sie zu finden, 

all die Spuren, die mich an dieses Leben binden.

Doch immer mehr, von den tiefen Abdrücken, 

all zu leicht verwehen,

das ich nicht mehr erkennen kann,

wo ich sie, einst gesehen.

Sich abgewannt, 

von alt vergilbten Schleiern,

der große Wunsch, den Neuanfang zu feiern.

Nach vorne blickend 

was Verständnis sucht,

die nächste Reise, ist vom Herz gebucht.

Wo ist mein Stock? 

Der mir hilft ein Stück weiter zu gehen!

Wo meine Brille? 

Die meine trüb gewordenen Augen, 

wie in Kindheitstagen, den Horizont lässt sehen!

Die Füße tapsend, die Seele jauchzend, 

die Lider noch nicht, müde selig ruhen.

Wo ist mein Stein? 

Der sich über mein Haupt wird bauen!

Was werden die sehen, 

die ihn beschauen?

Vielleicht ja bunte Flechten, 

die rangen an ihm,

weil so versteckt, die Sonne, 

nicht mehr auf ihn schien!

Müsste ich heute scheiden,

ich wünschte meine Ahnen,

würden diese Zeilen, in ihn feilen:

Er war ein Sterbenskünstler,

der hat das Leben sehr geliebt.

Doch am Ende seiner Tage,

in der Grub, dort unten, allein er liegt.“