Ein Sturm zieht fort

In Scheinwelt hinter Worte blicken,

doch kein Wort hinaus ins Dasein schicken.

In Händen lebte Kindheit einst,

wie zartes Grün sich sanft vereint.

Ein Wort so leer,

doch wahrlich auch beherrscht voll Seele.

Im milden Klang, blass gedämpft,

zartfühlend durchdringen mag die Kehle.

Versunken weit der Träume Lauf.

Ein Sturm zieht auf;

Ein Sturm zieht auf.

Der Regen fiel im Nadelwerk,

im stillen Meer versank ein Berg.

In Ähren die im Winde biegen,

im golden Laub will Himmel fliegen.

Stummer Atem lenkt zum Herz,

lautes Pochen ahnt den Schmerz.

Der Puls schlägt ringend sich nach oben,

im Kopf Orkane des Verblühten toben.

Hunger fordert stets uns raus.

Ein Sturm zieht auf;

Ein Sturm zieht auf.

Angedenkens ferner Kindheitszeit,

unbeschwert, Traumprinz der Ewigkeit.

Kein Ende spähten Augen

und doch war klein der Erde Reich.

Schatten weit vorm kurzen Fall,

die Stunden zogen sich durchs Tal.

In jeder Träne lebte Ursprung,

sah sich beileibe echt fürwahr.

Wunsch sucht Pforte, fand den Knauf.

Ein Sturm zieht auf;

Ein Sturm zieht auf.

Vergangenheit schließt warme Lider,

in Sanduhren fallen Körner nieder.

Die Jugend suchte Lebensjahre,

als wären sie die höchste Gabe.

Jedes noch so kleine Sandkorn,

zentriert im Fokus alter Sicht

und Staub hält fest umschlungen,

damit das Bild des Gestern nie zerbricht.

Erinnerung gar selten findet Weg hinauf;

Ein Sturm zieht auf;

Ein Sturm zieht auf.

Vergangenheit der Schmiede Glück,

wenn Zuversicht Vertrauen fischt.

Die Perspektive eine Wahl,

im Mutterherz der Hoffnungsstrahl.

Bin Sinn Gemüt,

die Vögel singen noch ihr Lied.

Was dorren, ist nun neu erblüht,

Empfänglichkeit nahm nie Abschied.

Im Herzschlag residiert der Lichterort. 

Ein Sturm zieht fort;

Ein Sturm zieht fort.

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4 Kommentare

  1. Gerade diese Reime finde ich so schön:
    „Die Jugend suchte Lebensjahre,
    als wären sie die höchste Gabe.
    Jedes noch so kleine Sandkorn,
    zentriert im Fokus alter Sicht
    und Staub hält fest umschlungen,
    damit das Bild des Gestern nie zerbricht.“
    Erinnerungen an das Gestern, an die Kindheit ziehen auf und ich möchte sie nicht missen.
    Danke, Michael.
    Sabine

  2. „im stillen Meer versank ein Berg.“… pure Poesie.

    „Die Jugend suchte Lebensjahre,
    als wären sie die höchste Gabe.“… tiefste philosophische Ironie.

    Ein sehr schönes Gedicht zum inneren Sturm, Michael.


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