Wall und Wehr

Erinnerung in warme Arme fällt,

ein Hafen mag Andenken sein.

Ein Geisterschiff am Nichts zerschellt,

welch Leben trug die Last allein.

Der Sintflut stiller Herzen Klagen,

des Himmels dunkler Wolkenschwall.

So müde Augen Wehmut tragen,

der unzählig Seufzer, traurig Hall.

Hör, oh hör, mein müdes Herz,

das Lied der Meerjungfrauen.

Versöhnung lindert alten Schmerz,

ein Pochen lang, dem Glück vertrauen.

Noch einmal, hohe Wellen finden,

im wilden Schwall, die Freiheit leben.

Noch einmal, in den Wogen schwinden,

um vom Grund, sich zu erheben.

Wer wagt sein Schicksal zu bestimmen

und stellt sich gegen Sturmesnacht?

Wer lebt im Dochte letzten glimmen

und glaubt das Licht, sich neu entfacht?

Hoffnung!

Lichtblick strebt nach fleißig Hand,

baut auf und trotzt dem Trümmermeer.

Etliche Ruinen übersäen das Land,

doch aus Wir, wird Wall und Wehr.

Die Amsel und Ich

Auf einer Parkbank wankelmütig sitzend

und in Beklemmung bangend schwitzend.

Sah ich auf einmal eine Amsel,

die pickte so unbeschwert im Gras,

darauf legte ich den Brief zur Seite,

den so schwermütig, ich las.

Ihre Existenz ist stark gefährdet“,

wurde aus dieser Korrespondenz,

mir unheilvoll auf gebärdet.

Die Amsel hob ihr Köpfchen,

schaute starr,

in ihrem Blick spiegelte sich wider,

der Welt so guter Dinge, Vögelschar.

Unsere Augen zwar, sich nur ganz kurz trafen,

doch ganz gewiss, es lies mich entgleiten,

aus meiner träge, so schwierig Zeiten.

Auf einmal bestürmten mein denken,

die alten Christlich Worte,

dass egal an welchem Orte,

der Herr ihnen ihr Mahl bereitet,

täglich sie ernährt

und durch ihr Leben leitet.

Und ich?

Ich sitz hier mit meinen düster Sorgen,

die unheilschwanger zu Wegelagerern,

des Alltag sind geworden.

Und mehr noch,

ich höre überall die gleichen Zwänge,

mit denen nicht nur ich

mein Herz in diesen dornig Zeiten,

wohl oder übel bedränge.

Das Konto leer,

aber der Kühlschrank nur zum Schein,

wohl auch.

Denn wie bei der Amsel,

füllte sich doch täglich mir der Bauch.

Wir sind Es

Wenn Worte zu Soldaten werden

und Frieden sich an Schwerter bindet.

So aller Orten hier auf Erden,

das Lieben im verhärten schwindet.

Elysium lauscht andächtig der Seele,

birgt freien Odem, hält die Wahl.

Begehren sich beherzt zur Freiheit stähle,

erst roden, dann urbar machen alte Qual.

Die Erkenntnis im Lauf der guten Dinge,

kein Puls schlägt bösartig im Todeskuss.

Wer das Verständnis auf sich bringe,

hat dünn gesät der Zwietracht Schluss.

Im frohen Kreis gesungen ward das hohe Lied,

der Auen Quell, liebte von jeher Kinderlachen.

Die Herzen leis‘, kein Wermutstropfen fließt,

wir sind es, die diese Welt zum Himmel machen.

Wann

Ich schaue zu der grauen Ferne 

und seh‘ die Sonne bricht sich nur zaghaft,

durch des satten Vorhangs Nass.

Doch das saftig gereifte Grün der Bäume, 

mein Sein ganz still umfasst.

Ich wünschte der Zauber, wie der Wind

die bewachen sanft das Blätterwerk,

der aller Widrigkeiten trotzend, Bäume Kronen.

Könnten auch in den unberührten Tiefen,

meiner ureigensten Träume wohnen.

Wenn befreit sie dann im Hier auf allen Wegen, 

mit meiner Seele, das Lied der Schöpfung singen. 

So frag ich nicht zu jedem Morgen:

Wann?“ 

Sondern lausch nur noch dem Regen.

Ach könnt in dieser herzergreifend,

herzerweichend, mich mitreißend Stund.

Des Himmels Frieden, so barmherzig Segen, 

mein Herz beküssen mit dem Mund; 

Der zur Vollendung uns will erheben.