Das krümmende Gesetz

Der Blick er suchte Frieden,
aus sich heraus getrieben.
Vertrocknet sind die Blumen,
die einst zum Feste fröhlich luden.
Der Wind er brachte Regen,
der Pflanzen kühlen Segen.

Vergilbte Schleifen waren Zeuge,
von des Schenker‘s einstig Lebensfreude.
Ein Engel aus Stein flüsternd zerbricht:
„Oh mein, oh mein, vergiss mich nicht!“
Vorm Baum die Zeit, sie sichtbar wächst,
doch in mir, nur krümmendes Gesetz.

Ein Blatt fällt ab vom Hagelschlag,
doch ein neues wächst an seiner Stelle nach.
Der Duft der Knospen meine Lider schließt,
ich schmecke wie am Baume, neues Leben sprießt.
Das Gras es dampft im Morgentau,
aus dem ich träumend eine Brücke bau.

Von zaudernd alten, zu den glorreichen neuen Tagen.
Welche prächtig schmücken jeden Magen,
ohne sich in allen Lagen stetig nach dem Sinn zu fragen,
zu einen Festsaal voller unverzagten, Lebensgaben.

 

 

Allweil

Fest umschlungen versuchen Umarmungen,

zeitgedrungen, fern zu halten den nahen Abschied.

Mit letzter warmer Nähe:

Nun ist es an der Zeit mein Herz, ich gehe!“

Das Leben immer schon die höchsten Stufen schuf,

doch ein neues Kapitel eröffnet sich im Daseinsbuch.

Der Zyklus einem liebreizend Sehnsuchtskusse gleicht,

kein bekümmerter Blick zurück, fiel jemals leicht.

Lebe wohl mein Herz, oh Du mein Licht

sei gewiss sowie Du mich, vergesse ich Dich nicht!

Fortan lebensfrohe Dankbarkeit wird mich begleiten,

dass ich Dich treffen durft‘, in meinen kurzen Zeiten.“

Nun kenne ich, ja, jetzt weiß ich wohl,

um all Deiner so herzensguten Taten.

Kein verzaubernd Licht erlöscht auf dieser Welt,

ohne in Erinnerungen sich immer fortzutragen.“

Du bist bei mir, in meinen unendlichen Tiefen

lebt Dein, mir stets so guter Dinge, holdes Bild.

Und sollte Traurigkeit, in bleiern Tagen,

meine leichten Schultern, schwer beladen.“

So will ich hoffnungsvoll unablässig neue Kräfte,

im lebensfrohen Andenken an unsere Innigkeit finden,

denn Dein nie vergessenes so anmutvolles Wesen,

lässt träumend mich, allweil, der Welt entschwinden.“

Das sinnend Lied der Nachtigall

Der Zartheit Schwüre ohne herzzerreißend Klagen,

im bewusst Verstummen sich beenden all die Fragen.

Am Bund der Weisheit golden Schlüssel klingen,

der Sehnsucht süße Tränen sich ihr Joch verdingen.

So soll Schlaf immerdar den Träumer finden,

wie Tage sich immerfort an Nächte binden.

Ein Gedanke in Morpheus Armen unsere Augen schließt,

wie Schlummertrunk in den Freudenbecher sich ergießt.

Ach du mein geliebtes Ach und Weh,

ich nährte dich selbstvergessend fern meiner See.

Was wäre nur der andächtig friedvoll Abendhauch,

verwehte Erinnerung nur unbedacht, wie leiser Rauch.

Die Tür geöffnet, wie ein kleiner lichter Spalt,

durch der Träume Reich, der Tage Zerfallen hallt.

Der Mond gleich einem seelenvollen Chanson erstrahlt,

ein beseelter Seufzer, den Eintritt für die Nacht bezahlt.

Nur das Träumen öffnet all die undurchschaubar Türen,

die vermögen fern der Zeit ins Multiversum zu entführen.

Von der Gravitation der Endlichkeit, bis hin zum freien Fall,

im schwerelosen Intervall, das sinnend Lied der Nachtigall.