Narben

Narben erzählen Geschichten,
mal traurig tief betrübt, mal kühn von Mut beseelt.
Ohne all meine Narben, hätt‘ ich nie zu leben gewählt.

Von den höchsten Bergen, zu den tiefsten Tälern,
überall lernte ich nur aus und von meinen Fehlern.

Wer ohne Narben blieb hat nicht gelebt,
kletterte wohl nicht wagemutig auf Berge,
sprang nicht von den höchsten Bäumen.
Jener vermochte wohl jedes Wagnis zu versäumen.

So viele meiner Narben in aller Stille nun verblassen.
Doch meine immer noch aufgeregten Finger,
sie mal freudig, mal in Erinnerung schwelgend,
zärtlich streicheln und selbstbewusst erfassen.

Auch wenn ach so viele Narben,
immerdar Schmerz mit sich trugen und noch tragen.
Möcht’ ich mit erhoben Haupte, nun wagen:
„Ich bin stolz auf sie!“ zu sagen.

Von dunkelsten Ozeanen, zu den hellsten Weiten,
keine noch so tiefe Narbe überdauert alle Zeiten.

Narben erzählen Geschichten,
mal traurig tief betrübt, mal kühn von Mut beseelt.
Ich schaue an mir herunter und bin so froh, dass keine fehlt!

 

 

 

 

 

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Imperfekt

Wie ein geheimnisvolles Licht,
das durch die Mauern des Vergessens scheint,
fängt ruhevolles Schweigen,
vertrauensvoll gedankenleere Stille ein.

Einen Schritt noch, einen tiefen Atemzug,
ein letzter Seufzer, das Gestern unter sich begrub.

Das Terrain glich einer verwüsteten Wüste,
voller Steine mit feurig rotem Sand.
Der Weg formte sich erst, bei jedem Schritt,
unter den Füßen und urbar, mit jedem Tritt,
erhob sich Grün, aus der Einöde menschenleerem Land.

In ach so kalten Nächten, am wärmenden Feuer sitzend,
wehte der fühlbare Hauch der Sterne unantastbar vorbei.
Begehrlich wurden Träume, zu machtvollen Wünschen,
doch oftmals fand sich im Leben nur, das tägliche Einerlei.

Ein Schlüssel ist der Ausdruck, der sich im Schaffen findet.
Ein Trugbild ist der Spiegel, an den sich Zwielicht bindet.

So weit, weit entfernt, mag finden sich ein Königreich,
wo Dämmergrau, zu goldenen Farben sich entflammt.
Wo es, für alle Tage, egal sein wird, wer Arm, wer Reich,
und jeder winzige Traum kostbarer ist, als der größte Diamant.

 

 

 

Ein neuer Wunsch, ein neues Ziel

 

Wenn ein Lebenstraum stirbt,
kann niemand ihm neues Leben einhauchen,
denn Zeit misst sich nunmal in Vergänglichkeit.
Doch neue Träume schließen sich an,
wenn jeder neue Morgen im Hoffen begann.
All die Jahre vergingen rückblickend wie im Flug
und so manch flüchtiger Moment,
nur den Augenblick eines Trugbildes in sich trug.

Denn wir reifen, lassen ziehen,
wenn wir selber zogen fort
und all die Lehren die wir mehren,
bereichern Ort für Ort.

Einfach Mensch sein, sagt sich einfach, doch das Mühen schmerzt oft sehr.
Keiner ist letztendlich, all der unbeantwortbaren Fragen, grenzenloser Herr.

Lasst uns dennoch weiter träumen,
lasst uns, unser kindliches Gemüt bewahren
und durch gegenwärtige Gefahren, unverzagt weiter gehen.
Manchmal ist’s und wird’s nur so erträglich und verständlich,
mit geschlossnem Blick die Wahrheit der Wirklichkeit zu sehen.
Und wo ein Traum auch immer sterben mag,
da wird ein neuer Wunsch geboren,
so dass auf jeder Lebensbahn, ein neues Ziel wird auserkoren.

Denn wir reifen, lassen ziehen,
wenn wir selber zogen fort
und all die Lehren die wir mehren,
bereichern Ort für Ort.

Einfach Mensch sein, sagt sich einfach, doch das Mühen schmerzt oft sehr.
Keiner ist letztendlich, all der unbeantwortbaren Fragen, grenzenloser Herr.

 

 

 

 

Bei Sonne wie bei Regen

Weiter, immer weiter, schreiten Wir
querdurch die Zeit, unter ferner liefen.

Wie eine Möwe gleitet reglos im Wind,
wie und wo,
das Andenken des Denkens auch beginnt,
manch Souvenir paralysiert den Sinn,
der sogar fest umklammert, doch nur entrinnt.

Wurzeln sind und waren geistig Ursprung,
jegliche Herkunft, Herd, Quelle,
ja, die Wiege unseres Selbst,
bettet sanft in warmer Erde unser Erbe.

Selbst wer nichts entscheidet, hat sich doch entschieden.
Doch was ist, nach dieser Entscheidung noch geblieben?

Wir verknüpfen all die Stränge,
weben fleißig linear zur gewissen Länge,
schnurgerade unser Band.
Fesseln uns ans Abgelegte, legen uns in Ketten,
anstatt aus dieser Knechtschaft sich zu retten.

„Lass Dich nicht verstricken!“, hat der Widerspruch gewarnt.
Doch wetterwendisch der Wankelmut den Unverstand umarmt.

Nie versiegt was stetig liebt.
Es geht nicht ums Loslassen, es geht ums halten.
Sich im Leben, bei Sonne wie bei Regen, Halt zu geben.