Die geistarm Fehde

An einem kristallenen Bach, liegt eine kleine, so beschauliche Stadt
und das stetig fließende Gewässer, dreht unaufhörlich des Mühlhauses Rad.
In der Mitte dieses schönen Städtchens, knistern alltäglich,
aus dem Schlot der Bäckerei, jeden Morgen in der Früh die Ofenbrötchen.
Ich könnte jetzt von Frieden und Idylle Euch erzählen,
würde nicht schon seit unzähligen Jahren, das Ende einer Debatte, hier fehlen.

Denn zwischen dem Bäcker und dem Müller herrscht die Fehde,
durch wenn das Volke, in diesem Orte,
wohl am ehesten bestehe und so auch lebe.
Es mag polemisch sich anhören,
wodurch sie die Ruhe der Gemeinschaft störten.
Denn jeder von ihnen, in diesem Wiederstreit, war fest davon überzeugt,
dass der Andere seinen Standpunkt irgendwann noch schwer bereut.

Vom runden Tisch aus dem Wirtshaus,
trug sich dieser Streit zum ersten Mal, weit über Flur und Tal.
Zuviel der feuchtfröhlich Laune und überschwänglicher Gefühle,
da folgen schnell auch mal, die schweren Eichenstühle.
Auch geht es jetzt ein kleines bisschen gesitteter zu,
aber hier herrscht noch lange keine Ruh.
Denn Müller und Bäcker immer noch auf ihren hohen Rössern ritten
und sich zänkisch, unaufhörlich, stur nur weiter heiser stritten.

Es rollte doch der schwere Mühlstein, schon all zulange durch die kleine Stadt.
Denn am Stammtisch gab’s nach vielen Krügen,
nur immer neu gestimmte Rügen.
Selbst dem hartgesottenen Wirt verging das Lachen, denn durch dieses,
kalte Atmosphäre schaffen, konnt’ schlecht er nur noch Umsatz machen.
Auch war es dem Pastor, schon lange ein Dorn in seinem Auge,
doch er auf die Selbsterkenntnis seiner Schäfchen, voller Demut hoch vertraute.
In ihrem Wetteifern, ständig geifern, vergaßen sie,
sind doch beide ihres Handwerks Meister.
Hier ein paar, von ihren Allüren,
dieser nur sich selbst beweihräuchernden Lebensschwüre:

„Meine Hände tiefe Schwielen haben, von dem ständig schwere Säcke tragen.“
,keift bissig der Müller.
„Jede Nacht um Zwei klingt mir der Wecker“
,schnauft wutentbrannt dazu der Bäcker.
„Wer füllt denn hier dem Bürger seinen Magen“
,muss streitsüchtig der Müller ihm laut sagen.
„Ohne all die Köstlichkeiten, die ich aus deinem Mehl bereite,
würde niemand deinen Namen kennen“
, entgegnet überspitzt der Bäcker.
„Niemand! Niemand kann es sehen, täglich und zu allen Zeiten,
muss ich allein, den Mühlstein weiter auf den Körnern treiben,
um dir dein Mehle zu bereiten.“
„Ha, Ohne das Brot, das, ja das am Morgen gibt allen ihre Kraft,
du niemals hättest das geschafft!“
„Nein ich, durch mich!“, “Nein ich, durch mich!“.
Entgegneten sie stur, schonungslos und unaufhörlich immer weiter sich.

Nun aber genug gehört von der Empörung,
der Schönheit dieses kleinen Städtchens Störung.
Die Geschichte hätte wahrlich, ein bitter böses Ende noch genommen,
wäre da nicht in der Tat, der Tag der Wandlung, bitterernst,
mit der Sense leisem Zisch gekommen.
Denn dem Mühlstein versiegte der Nährgrund,
dem Müller ging sein Getreide aus.
Nun konnte beim besten Willen er, auch den Bäcker,
nicht mehr mit seinem Manufakt beliefern.
Drum fuhr der Bäcker, mit glühender Stirn, zu seinem Widersacher
an die Mühle raus.
Ja, alle Säcke waren, blieben leer und niemand fand ein Körnchen mehr.

Mit geballter Faust, wollt er den Kontrahenten, eine kräftig feine,
nicht zu große, aber auch nicht zu kleine, Ohrfeige einschenken.
Denn eines war ihm klar, dass dies nur,
die reinste Schikane von dem Sackverwalter war.
Doch vor der Mühle steht schon mit gesenktem Haupt der Müller,
ganz bleich als währ ihm schlecht,
das bringt den Bäcker, für einen Moment ab,
von seinem Recht auf das Gefecht.
Nun ja, es war die eben von dem Nachbarn noch erfahren, neuste Trauerkunde,
denn Vorgestern schlug des Bauern, letzte Abendstunde.

Die beiden standen stumm, nur Blick in Blick,
zum ersten mal seid Ewigkeiten, bewusst des anderen Geschick.
Denn ohne Roggen, Weizen; Gerste, war’s egal, wer ist der Erste.

Einige stille Tage nach des Bauers vorzeitigem Lebensende,
folgte unverhofft die, von dem Städtchen, schon so lang erwartete Wende.
Denn am Grab des Bauern, die Beerdigungsgäste tief trauern.
Alle rückten ganz nah zueinander, jede Träne, mit Abschiedstrauer voll getränkt
und doch wurden zu dieser wehmutvollen Zeit,
all die armen Seelen, mit Nähe und Verbundenheit, so reich beschenkt.
Nachdem der Sarg sanft gelassen in die Grub und jeder noch sein Kreuz
von Stirn zu Brust und Bauche schlug,
der Pastor den Müller und den Bäcker zu sich lud.

Er schaute ernsthaft in ihre bubenhaft wirkenden, wie leicht verschüchterten Gesichter.
Und so wurde er doch noch nach geraumer Zeit, zum lang ersehnten Friedensschlichter:

„Auch wollt ich dies schon immer sagen,
konnte euren Zwiespalt kaum ertragen.
So muss doch von Innen her, erst der Nährgrund stimmen,
damit meine Worte können wahrhaft zu euch dringen.
Auch könnt ich jetzt erzählen, dass der Bauer bestimmte eures Tages- Lauf!
Aber lebt hier tatsächlich jeder nur vom Brot allein,
wie arm und traurig, würd‘ dann denn unser aller Leben sein?!
Wer scheißt denn, täglich all den Dung fürs Feld,
ist dadurch nicht jeder Arsch, in dieser Stadt ein Held?
Ja Brüder, nun, wer kultivierte all die Samen, damit sie immer größere Ähren,
uns zur Ehre tragen, und geschah nicht sowieso alles nur in seinem Namen!“

Der Pastor mit dem Fingerzeig nach oben:
„Kommt lasst uns, nun zusammen die Gemeinschaft loben!“

Ehrfürchtig vor all des Herren Gaben, beschlossen sich Müller und Bäcker,
danach an einem Gerstensaft zu laben und endlich zu vertragen.
„Ohne dich mein Guter!“, „Nein ohne dich mein Bester“,
„Nur zusammen bestimmt sich unser Los,
Dank dem Bauern, ja, zum Wohle prost!“
„Auch prost zum Trost, na dann mal prost.“
Versöhnlich fortan blieb es und auch nach langen Zeiten,
die Beiden hört man nimmermehr miteinander streiten.
Denn nach der Grabrede, sie legten bei, ihre geistarm Fehde.

 

 

 

 

 

 

 

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