Die fünfte Himmelsrichtung

So war’s die Zeit, des Lebens sinnig Dienst,
welch entwaffnend innig suchte Schlaf.
Übermannt vom Traum ward Widerstand
des Daseins Müh, der Jahre spottend,
verstohlener Wanderer im unbekannten Land.

Ein Herz lebt von Schlag zu Schlag,
in aller Windung tief gedrungen,
doch nur leicht gebunden wie ein Schleife.
Hohen Wellenschlag sucht Steuermann
und wird des Sturmes Bräutigam.

Das Weiß der Gischt knallt vor den Bug,
als wenn es letzte Blässe in und mit sich trug.
Verschmähe nicht der Kämpfe Bande,
bestehe all dem Elend trotzend,
weit im empirischen Vorhandensein.

Gegenwärtig sucht die Gegenwart,
unermüdlich, der Augenblicke stillen Sein.
Nackt die Muse, lachend hebt ihr Licht,
wie Wimpernschlag wirft leichte Schatten
und der Himmel eisern schwieg.

Gram zur Bürde, Not zur Qual,
was auch all für Plage kommen mag.
Das hohe Ziel, unermüdlich wachsen.
So in Beschwernis weit der Herzen weh.
Sturmerprobt der Seele anmutiger Flügelschlag.

Vier große Himmelsrichtungen
sucht jeder Seemann Tag für Tag am Horizont,
die Fünfte kennt ein Kompass nicht.
Wer auch immer mag den Schlüssel finden,
kann doch nicht öffnen, was nicht ist.

 

 

 

 

 

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