Der letzte Sturm

Der Endlichkeit so schweigsam folgen,
erfreue dich, suche fort den Moment.
Das Leben still, will in jedem Atemzug
doch weiter leben und nicht enden.

Alles geht und wird, was keiner mag benennen.
Wie frommster Glaube sich selbst so fern,
im Ursprung seines ureigenen Glanzes
sollt Herzen heben, nicht verbrennen.

Ein Gemüt vom Halten arg beschwert,
den Abschiedsschmerz so endlos zehrt.
Die Schritte zaghafter in all den Jahren,
doch das alte Schiff wird nicht ins Dock gefahren.

Die Segel hissen noch ein letztes Mal,
lass mich über alle die Tiefen fliehen.
Am Steuerrad der Glücksmoment,
ich werde immer weiter ziehen.

Freudig erklimmen den letzten Stieg empor,
mutig all den Widrigkeiten trotzen, nur zum Trotz.
Himmelwärts den Rand der Erde suchen,
auf der Zielgeraden erklingen mag, ein Engelschor.

Und kommt meiner Tage größter Sturm
dem ich nicht Herr werden und überstehen kann.
Dann gebe ich mich der Windsbraut hin,
denn in der Endlichkeit findet sich des Lebens Sinn. 

 

 

 

 

 

 

Schulter an Schulter

Wenn alles gesagt ist, ist dann auch schon alles getan?
Wer vermag noch die kollektiven Worte zu finden,
die hoffnungsvolles Licht in die Untätigkeit bringen.

Es war, es ist nicht leicht, jenseits von allen Ängsten,
ein guter Mensch zu bleiben und stetig zu sein.
Nach bestem Wissen und Gewissen, zu keinen Zeiten,
ob sie nun Glück oder gar Leid und Kummer bereiten.

Und dennoch,
schwillt ein Herz in der Brust durch Seelengüte und Aufbegehren.
Wie sollte man sich auch erheben und etwas Anderes werden,
als all das, was man nur fand und in sich trägt auf Erden.

Eine weltentrückte Vorstellung von all dem
was einen Mensch ausmacht und er sich ersehnt.
Als wenn man zur Vermessung der Welt
ein Herz auf die göttliche Waagschale legt.

Vom Anbeginn, schon seit Jahr und Tag,
brachen Nöte, Kriege und Stürme über die Welt herein.
Zu keiner Zeit kannte ein Dasein
unbekümmert nur die Sorglosigkeit.

Und dennoch,
fanden Menschen, Schulter an Schulter, neuen Mut.
Im Hoffnungsfunken geboren, schreitet zur Tat!
Erbauet eine friedvolle Welt, ohne habsüchtigen Blick auf hohen Ertrag.

 

 

 

 

 

Mutig Schritt für Schritt

Als die Sterne lauthals sangen,
ward ein Traum im Traum gefangen
und Worte flohen durch den Wind:
„Hörst Du, wie der Mond uns singt?!“

Und die schwarzen Schleier
deckten lautlos zu das Land,
so dann, die finstre Nacht
ihr klagenfreies Dasein fand.

Wanderer auf schmalem Grad,
suchst ein Licht am Firmament.
Denn zu jener dunklen Stund,
niemand mehr den Weg erkennt.

Kühl vom Moor, der Wimmerhall.
Irrlicht, will nur fehl dich leiten,
nächtig Pfade, Spukgestalten.
„Trau ihnen nicht, musst innehalten.“

Komm nicht ab von deinem Weg.
Hör nicht auf die Welt zu loben,
schreite weiter mutig, Schritt für Schritt
und folg dem hellsten Stern dort oben.

 

 

 

 

 

 

 

Schlaflied

Mir war so, als wenn ich immer noch träumte,
gefangen, wie im Schlaf durch Nebel ziehend.
Als gäbe es keine andere Welt mehr da draußen,
ein Halbschatten, der namenlosen Leere fliehend.

Wie war’s doch gleich, den Schlummer suchend
voller Leidenschaft ins Meer der Stille einzutauchen,
und so die Kammern meiner Brust warm zu fluten.
Wohlgemut, lichtundurchlässiges Dasein ferner Welt.

Schlaf, du stiller Fährmann meiner See.
Du bist aus meinen Unbewussten mir entsprungen
und suchtest stetig fernab des irdischen Lebens
ein Dasein, verborgen hinter all den lichten Tagen.

Als wärst du einem eigenen Schatten gleich,
kann nichts und niemand dir entfliehen.
In deinen leeren Armen darf und kann ich alles sein
und doch, erwache ich wieder nur zum Nichts allein.

„Wach auf!“ ,klingt ein Ruf durch alle Sphären.
„Wach auf, mein Freund,
kein Traum kann jemals Körper nähren!“

 

 

 

 

 

Nie sah ich, wahrlich etwas schöneres als Dich!

 
Wie zarte Knospen leicht vom Morgentau bedeckt,
band ungestillte Sehnlichkeit,
nach Heimat frei von Schmerzen,
mich tief ans nebelhafte Reich der lichten Quelle.

Nächtig Vogelsang drang in mein Schlafgemach,
zog sanft die Decke vom dem Bette.
Dort saß ich benommen, dennoch aufgeschreckt,
als wenn ein Geist mich zwischen seinen Ketten hätte.

Die zähflüssige Zeit, fraß sich brennend in mein Herz hinein
und wollte ungeduldig angejahrte Ketten lauthals sprengen.

„Alles endlich!“, flüsterte ein Seufzer.
„Alles geht und zieht vorbei, selbst der kleinste Teil
wird schließlich sich teilen, nur um geteilt zu werden.
Und der Eintritt in Diesseits ist und war stets frei.

Fehler tat ich nunmal, drum war Unrecht
immer schon geboren tief aus aller Unwissenheit?
Sollte mancher Mangel an Erkenntnis,
entschuldigen fremd- und selbstbestimmtes Leid?

Nein, die Verantwortung, all der Schuld in meinem Sein,
trug, trag und werde tragen, stets nur ich allein.

Nie sah ich, wahrlich
etwas schöneres als Dich!
Verzeih mir, aber bitte entschulde mich nicht.

 

 

 

 

 

 

 

Ich bin weniger und Du das Meer

 
Und ja, die Zeit war immer da,
doch niemals eindeutig und klar.

Wie die Zahnräder jeder mechanischen Uhr,
wie der Sandkorn lautlos fällt,
wie die Sonne die zum anbrechenden Morgen,
jeden neuen Tag erhellt.

Und doch, wir messen und wir warten,
aber stoppen können wir nicht.
Jeder Stern ist längst gestorben,
wird nur noch überdauert von seinem Licht.

Zeit, das Maß mit dem der Mensch,
sein kurzes Dasein oftmals vergeblich misst.
Früher oder später, zum scheitern geboren,
der versuchte einzufangen was nicht ist.

Den einzig und alleinen Sekundenschlag,
immerdar, von jeher vergeblich gesucht.
Zwischen den unaufhörlich tickenden Zeigern,
sich schmelzend, lediglich der Stillstand verflucht.

Wer die Zeit mag,
mit den Gewässern der Flüsse zu vergleichen,
der könnte den Spiralen der Spannung und Angst,
wohl sanft wie durch ein Prisma entweichen.

Keine Tage, weder ein Quantum noch Jahre,
Grundgrößen bestimmten nie das zeitliche Maß.
Denk ich an den Rost, der sich nimmersatt
durch das Eisen der Kolosse aus Stahl still fraß.

Wer könnte das Gestern vergessen?
Und wem das Morgen nichts zu bedeuten vermag,
der hätte wohl verstanden, dass sich alles trägt
auf dem Grad des Momentes unserer Gegenwart.

Ich will fließen, so wie ein Tropfen im Fluss,
keinem Ende entgegen und frei von Verdruss.
Ich bin weil ich bin und darum werde ich sein!
So wohl, in den delphischen Meeren der Gezeiten,
findet sich ausnahmslos, nur ein Augenblick allein.

 

 

 

 

 

 

Frei

So waren wir, gleich dem Kolibri,
der scheinbar bewegungslos in Lüften schwebt,
dem Tanze gleich der Herzen hebt,
im freien Leben eingefangen.

Ein Hoffnungsstrahl schien auf durch alle Weiten,
erhoben aus Nuancen des schwerelosen Sein.
Entschlossen an sich selbst zu glauben,
voll Zuversicht spross ungetrübt ein kleiner Keim.

Ein Haupt erwehrt sich tapfer all der Schwere,
sucht ohne Hemmung sich im freien Willen.
Als könnt all des Lebens unerfüllte Wünsche,
nun und nimmermehr den Lichtblick dimmen.

Der Wind erhob sich mannigfaltig aus der Stille,
trug mit sich all das verwunschene Begehren.
Gelüste sannen zeitlebens Drang und Durst,
doch tapfere Herzen wollten sich erwehren.

„Es gibt nichts Freieres als die Freiheit!“,
riefen Rebellen stets den Despoten ins Gesicht.
Frei werden, frei bleiben, frei sein,
ist des Schuldbekenntnisses nachgeboren Licht.

 

 

 

 

 

Der Widerhall vom freien Fall

Wenn Kummer ein Herz mit seinen Klauen vereist.
Wenn Schwermut den Verstand drohend umkreist.
Dann ist es mitunter, nur, der Widerhall vom freien Fall.

Denn war es nicht das Leben, welches Hürden erschuf?
Denn war es nicht der Umstand, der Sorgen in sich trug?
Doch zum Glück zog das Lachen niemals bangend fort,
es wartete hoffend auf seinen Moment, im innersten Hort.

Wer sind wir,
wenn nicht nur Menschen, die auch im unheilvollsten Leid
stetig zum wachsen bereit.
Wer sind wir,
wenn nicht nur Kinder, die auch in ihren so bebenden Tränen
sich zum Höheren sehnen.

Stiller wurden die Tage und das Grau nahm,
an unserer Seite, seinen rechtmäßigen Platz ein.
Doch die Erinnerung an die zweckmäßige Trennung,
von Weiß und Schwarz, sollte nimmermehr sein.

Die Stirn aufbegehrend, der Bürde trotzend,
in die immer stärker werdenden Sturmböen gestellt.
Das Dasein demutsvoll, jegliche Existenz,
unter den harten Mühlen der Zeit nunmal zerfällt.

Melancholisch, ein stiller Rückblick,
eine Ahnung von all dem, was noch so kommen mag.
Doch die einzige Gewissheit ist und war,
dass Gewissheit, niemals vom Kommenden künden darf.

 

 

 

 

Das Leben lieben

 

Es zogen die Wolken
der Wind strich sein Lied.
Leicht wogen die Bäume,
ein Herz nahm Abschied.

Oh, mögen tausend Sterne
mir weisen den Weg,
wenn vom Dunkel umnachtet
ein Wunsch nach Dir fehlt.

So viele andere schlafen,
doch ich wache für Dich.
In all den einsamen Stunden
behüt ich Dein Licht.

Musst immer nur suchen, warst zum Finden bereit.
Ein letzter Moment noch, dann krümm ich die Zeit.

Ich ruf nicht nach Leben,
ich rufe nach Dir,
denn Freiheit entsteht,
aus dem Herzen, im Wir.

Oft lachte der Mond,
doch die Nachtigall schwieg.
In all unseren Tränen,
die Traurigkeit dahin zieht.

Komm bitte weiter,
bleib nicht allein stehen.
Nur noch ein paar Schritte,
dann kannst Du mich sehen.

Sieh im selben Blicke, der entrückt zum Himmel schweift,
in allem Leben, immer ein Stück weit, Sterben mit reift.

Ein erfülltes Dasein,
bedeutet auch Schmerz.
In all diesen Facetten,
erblüht doch ein Herz.

Möge Abschied
wonnige Wärme in sich tragen.
Trotz aller Bitternis,
aufrecht stehen und nie verzagen.

Am Ende der Tage such ich,
müde, alte Träume im Schlaf
und freu mich, dass ich
zum neuen Morgen erwachen darf.

Ob Frohsinn, ob Schwermut im bedächtigen Lauf.
Sich zur Annahme entschieden, das Leben lieben.

 

 

 

 

 

 

Die fünfte Himmelsrichtung

So war’s die Zeit, des Lebens sinnig Dienst,
welch entwaffnend innig suchte Schlaf.
Übermannt vom Traum ward Widerstand
des Daseins Müh, der Jahre spottend,
verstohlener Wanderer im unbekannten Land.

Ein Herz lebt von Schlag zu Schlag,
in aller Windung tief gedrungen,
doch nur leicht gebunden wie ein Schleife.
Hohen Wellenschlag sucht Steuermann
und wird des Sturmes Bräutigam.

Das Weiß der Gischt knallt vor den Bug,
als wenn es letzte Blässe in und mit sich trug.
Verschmähe nicht der Kämpfe Bande,
bestehe all dem Elend trotzend,
weit im empirischen Vorhandensein.

Gegenwärtig sucht die Gegenwart,
unermüdlich, der Augenblicke stillen Sein.
Nackt die Muse, lachend hebt ihr Licht,
wie Wimpernschlag wirft leichte Schatten
und der Himmel eisern schwieg.

Gram zur Bürde, Not zur Qual,
was auch all für Plage kommen mag.
Das hohe Ziel, unermüdlich wachsen.
So in Beschwernis weit der Herzen weh.
Sturmerprobt der Seele anmutiger Flügelschlag.

Vier große Himmelsrichtungen
sucht jeder Seemann Tag für Tag am Horizont,
die Fünfte kennt ein Kompass nicht.
Wer auch immer mag den Schlüssel finden,
kann doch nicht öffnen, was nicht ist.